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Klimawandel? Langweilt mich!

35.765 Tierarten und Organismen vom Aussterben bedroht
Rund 36,4 Milliarden Tonnen Kohlendioxidausstoß  pro Jahr. 
Jährlicher Verlust vom Dreifachen des Gletschervolumens  der Alpen. 

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Überschriften in Zeitungen, TV-Beiträgen oder auf Instagram lassen mich immer häufiger ratlos zurück. Dabei sind es nicht die Schreckensmeldungen selbst, die mich schockieren, sondern die Neutralität, mit der ich ihnen mittlerweile begegne.

Ich erahne den Grund meiner fehlenden Empörung darin, dass die Zahlen, in denen Klimaschäden und potenzielle Folgen derzeit gemessen werden, Dimensionen erreicht haben, die meinen Durchschnittsverstand bei weitem übersteigen. Mir fehlen Relation, Verhältnis und nicht zuletzt Alltagsbezug, um zu den emotionslosen Zeichen einen ehrlichen Bezug aufzubauen und sie in Handlungen zu übersetzen, die die Nutzung eines anklagenden Hashtags übersteigen.

Ebenso verhält es sich mit den Bildern, die mich täglich erreichen. Anders als die Zahlen deutlich emotionsgeladen und ob ihrer Anzahl dennoch so flüchtig, dass die Erinnerung an sie schon nach wenigen Augenblicken von den nächsten Eindrücken überschrieben wird.

Immer wieder der Konsum

Meine zunehmende Abstumpfung scheint mir nicht zuletzt ein Problem des Konsums. Nur sind es in diesem Falle nicht Dinge, die ich Tag für Tag in meinen Alltag integriere, sondern Informationen.

Eine typische Eigenschaft unseres Gehirns ist die Suche nach neuen Reizen. Daher ist es kein Wunder, dass Nachrichtenticker und Headlines erstmal unsere Aufmerksamkeit für sich in Anspruch nehmen. Doch genauso schnell, wie wir neue Informationen aufnehmen, zeigen wir uns auch gelangweilt vom Bekannten und Immergleichen. Und so ist es quasi Selbstschutz, dass unser Gehirn angesichts der täglichen Schreckensmeldungen irgendwann dicht macht und emotionale Reaktionen auf eigentlich empörende, aber mittlerweile bekannte Eindrücke ausbleiben.

Doch was ist es dann, was mich abseits von großen Zahlen und katastrophalen Bildern zum Handeln bewegen kann?

Der Hirnforscher Gerhard Roth sagt: „Solange die Klimakrise abstrakt ist und ich die Bedrohung vor der Tür nicht sehe, sind auch die Bedenken weg.“ Natürlich sind die Auswirkungen der globalen Erwärmung für uns mittlerweile spürbar, aber in der Regel (und zum Glück) noch nicht unbequem genug, dass sie regelmäßige Aufmerksamkeit wecken würden. Deswegen müssen wir selbst ran. 

Schon die tiefere Auseinandersetzung mit nur einer potenziellen Auswirkung des Klimawandels kann eine langfristige Erinnerung daran sein, wofür wir unser Handeln verändern. Ob es das Schmelzen der Gletscher, die Verschmutzung der Meere oder das Aussterben tausender Tierarten ist – sobald wir den abstrakten Zahlen echte Geschichten zuordnen können, geben wir ihnen die Chance, uns zu bewegen.

Neben der anhaltenden Motivation und Aufmerksamkeit sind es tägliche Routinen - kleine, irgendwann automatisch wiederholte Schritte - die in der Summe langfristig unser Verhalten formen und unser Wirken auf das Klima verändern können. Hier ein paar Impulse für Veränderung im Großen und Kleinen:

  • Flüsse und Küsten in Aufräum-Aktionen bereinigen
  • Städte begrünen und Bäume pflanzen
  • Den eigenen Garten wiederbeleben
  • Upcycling
  • Vermeidung (und wenn nicht anders möglich Wiederverwertung) von Abfällen
  • Bewusst kaufen (Bio, Demeter, Bioland usw.) – die Siegel auf unseren Lebensmitteln zeigen uns, unter welchen Umständen sie hergestellt wurden und damit auch, welchen Einfluss ihre Herstellung auf die Natur hat
  • Meinung bilden, laut werden, Bewusstsein schaffen – was wir von Freunden und Familie hören, bewegt uns deutlich mehr als anonyme Beiträge in den Medien, deshalb lohnt es sich immer, Wissen weiterzugeben

Am Ende geht es wahrscheinlich darum, die Komplexität und Größe des Themas zu begreifen, ohne direkt abgeschreckt oder gelangweilt zu sein. Seit Mitte der 70er Jahre wissen wir Menschen, was zu tun ist, um die globale Erwärmung aufzuhalten. Es ist an der Zeit, Worten Taten folgen zu lassen. Diesem Ziel widmen wir uns bei Just Organic. Bist Du dabei?